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Es wird eine Mensch-Maschine-Symbiose geben

Interview mit Prof. Dr. Klaus Mainzer, Technische Universität München (TUM), Lehrstuhl für Philosophie und Wissenschaftstheorie

DIALOG: Laut einer MIT-Studie sind Mitarbeiter zufriedener und produktiver, wenn sie Anweisungen von einem Roboter-Vorgesetzten erhalten. Könnten Roboter tatsächlich zukünftig im Management Karriere machen?

KM: Gerade mit Blick auf launige oder aufbrausende Chefs könnte man schließen: Aha, Roboter-CEOS sind angenehmer im Umgang, gleichbleibend freundlich und rational in ihren Entscheidungen. Rationalität ist aber nicht alles – der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen. Die moderne Gehirnforschung und Entwicklungspsychologie zeigt uns, dass sich erst in einem bestimmten Alter der Kindheit bei uns die Fähigkeit entwickelt, sich in andere hineinzuversetzen, um nicht nur die Absichten und Gedanken des Gegenüber zu erkennen, sondern auch seine Empfindungen zu fühlen und sich entsprechend zu verhalten. Diese Projektion und Antizipation nennt man „Theory of Mind“; sie ist wesentliche Voraussetzung für Führungsaufgaben. Man könnte darüber spekulieren, Roboter mit einer „Theory of Mind“ auszustatten. Das setzt aber so viel Wissen über unser Gehirn und Kognition voraus, das wir in absehbarer Zeit nicht besitzen werden. Daher setze ich vielmehr auf menschliche Urteilskraft, die wir durch wachsende Erfahrung schulen und trainieren können, um zu besseren Ergebnissen im Management zu kommen. Es wird also eine Mensch-Maschine Symbiose geben, bei der wir zwar auch kognitive Aufgaben an autonome Systeme delegieren, aber wir Menschen die Zügel in der Hand behalten sollten. Denn wohin eine totale Delegation der Entscheidungsbefugnis an Algorithmen führen kann, hat der Hochfrequenzhandel der Finanzmärkte gezeigt.

DIALOG: Welche Robotik-Entwicklungen sind denn realistisch, etwa im Kontext des Internet der Dinge (IoT)?

KM: Neben der humanoiden Robotik wird es eine Infrastrukturrobotik geben, die unsere Arbeits- und Lebenswelt automatisiert. Man sprach früher von „ubiquitous computing“ und meinte damit überall verteilte Computerfunktionen in den Arbeits- und Alltagsumgebungen anstelle einer Konzentration dieser Funktionen in einem (Super-)Computer. Diese Entwicklung setzt sich in einer „ubiquitären Robotik“ der Infrastruktur fort. Ein gewaltiger Markt, auch für Robotikfirmen wie Kuka, die traditionell auf (stationäre) Industrieroboter gesetzt haben. Bei Industrie 4.0 geht es aber nicht nur um automatisierte Produktion. Auch der Vertrieb mit der kaufmännischen Ebene wird automatisiert und mit der automatisierten Produktion verbunden. So wird es möglich, dass Kundenwünsche in einer „On-Demand Produktion“ individuell in den Produktionsprozess eingegeben werden können. Das setzt Cloud- Technologie, unübersehbar viele Sensoren, Kameras, Lichtschranken und andere Steuerungselemente voraus, die Big Data erzeugen. Infrastrukturrobotik wächst mit dem Internet der Dinge zusammen.

DIALOG: Erschaffen wir dank dieser durchgängigen Vernetzung und exponentiell wachsender Rechenkapazitäten in Zukunft eine KI, die unsere kognitiven Fähigkeiten übertrifft?

KM: Dass wir das Gehirn noch nicht im Einzelnen simulieren können, hängt nicht mit den fehlenden Rechenkapazitäten zusammen, sondern damit, dass wir alle Einzelheiten im Gehirn noch nicht kennen. Sicher werden einzelne kognitive Funktionen technisch realisiert werden und menschliche Fähigkeiten übertreffen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Superrechner eine ungeheure Energie verbrauchen, während unser Gehirn einmal gerade die Energie einer Glühlampe benötigt. Bei dieser Art von Effizienz bekommt man wieder Respekt vor der Evolution. Die Vorstellung, dass der Mensch der Zukunft am Reißbrett von Technologiekonzernen entworfen wird, ist naiv. Das hat in der Vergangenheit nicht funktioniert und wird es auch in der Zukunft nicht tun. Innovationen, Kunden und Märkte sind voller Überraschungen. Und darauf sollte sich jeder kluge Unternehmer einrichten.