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„Wer hohe Ziele erreichen will, muss mit dem Status quo brechen.“

Experte:    Dr. Jan-Christoph Haag, Vice President, ROI-EFESO   |   26.10.2023   |   Teilen auf in


Wie erreichen energieintensive Unternehmen die Ziele zur Reduktion der Treibhausgasemissionen? Lösungsansätze tauschten die Teilnehmer des Networking-Events „Greenhouse Gas Reduction“ am 6. Oktober 2023 aus. Dr. Jan-Christoph Haag, Partner / Vice President bei ROI-EFESO, schildert Ergebnisse der Veranstaltung.

 

Herr Dr. Haag, vom Management des Hafens von Antwerpen-Brügge erfuhren die Teilnehmer Ihrer Veranstaltung live vor Ort, wie eine nachhaltige Transformation gelingen kann. Was machte das Event zusätzlich einzigartig?

Jan-Christoph Haag: Sicherlich die Kombination der unterschiedlichen Perspektiven und Branchen darauf, wie industrielle Nachhaltigkeit verwirklicht wird – in diesem Fall vor allem mit der Zielsetzung, die Klimaneutralität zu erreichen. Dazu gab es einen regen und inspirierenden Austausch zu Erfahrungswerten: neben der Erfolgsstory des Gastgebers auch zu Beispielen und Vorgehensweisen aus der Chemieindustrie, der Materialentwicklung, dem Bauwesen, der E-Mobilität und weiteren Branchen.

 

Welche Gemeinsamkeiten im Umgang mit dem Thema konnten Sie feststellen?

Jan-Christoph Haag: Es besteht branchenübergreifend eine hohe Motivation, Ergebnisse bei der Reduktion von CO2-Emissionen zu erzielen. Zugleich trifft diese Motivation auf die Frage, wie sich die Ziele erreichen lassen, da die Herausforderungen groß sind und eine hohe Komplexität aufweisen. Es zeigte sich, dass die Unternehmen sehr aktiv ihr gesamtes Umfeld, den Markt und auch das Geschäftsmodell hinterfragen. Alle blicken eingehend nach Innen und Außen und suchen zugleich Best Practice-Methoden. Wie eben solche, die wir beim Event diskutierten.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie als maßgeblich an?

Jan-Christoph Haag: Die Herausforderungen sind vielschichtig und im Umgang mit ihnen sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Fünf davon möchte ich beispielhaft nennen:

Erstens, der Faktor „Technologie“: einige Branchen wie die Stahl- und Chemieindustrie sind energieintensiv und haben prozessbedingt hohe Emissionen. Demzufolge ist es schwierig, diese über Jahrzehnte optimierten technologischen Prozesse schnell und wirtschaftlich umzustellen.

Zweitens, kapitalintensive Infrastrukturen. Große kapitalintensive Anlagen bilden die Basis der Wertschöpfung der Unternehmen. Entsprechend erfordert eine Umstellung auf emissionsärmere Technologien erhebliche zusätzliche Investitionen.

Drittens, der Wettbewerb: Die meisten Unternehmen arbeiten in einem angespannten globalen Marktumfeld, wodurch höhere Produktkosten infolge emissionsreduzierender Investitionen im Markt realisierbar sein müssen.

Viertens, die Komplexität des Scope 3. Besonders die indirekten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette sind nicht leicht zu quantifizieren und zu steuern. Dies erfordert eine eingehende Analyse und wirksame Ansätze zur Beeinflussung.

Fünftens ist die regulatorische Unsicherheit zu nennen. Die sich ändernden Rahmenbedingungen und die Unsicherheit, welche Vorschriften in der Zukunft noch kommen, hemmen Investitionen.

Diese Punkte zeigen, dass eine Transformation und ein aktives, gezieltes Handeln jetzt nötig sind, trotz aller Unsicherheit. Es ist wichtig, sich Entscheidungsmodelle für Investitionen aufzubauen und frühzeitig z.B. für die Veränderung der Unternehmenskultur anzustoßen.

 

Wie lautet Ihre Empfehlung dazu, diese Herausforderungen zu lösen?

Jan-Christoph Haag: Es gibt drei Stoßrichtungen, die jedes Unternehmen verfolgen sollte. Zum einen, ein CO2-Reduktionsprogramm zu definieren und priorisieren. Zum anderen, ggf. mit methodischer und technologischer Unterstützung, ein unternehmensspezifisches Bewertungs- und Entscheidungsmodell aufbauen, mit dem sich eine Vielzahl an Entscheidungen - vor allem Investitionen - absichern lassen. Dies ermöglicht es, Szenarien zu planen und Klarheit für Entscheidungen zu schaffen.

Drittens ist zu prüfen, ob schrittweise Weiterentwicklungen in Richtung Nachhaltigkeit ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass neue und weitreichende Ansätze gefunden werden müssen. Dies umfasst etwa einen Breaktrough-Innovation-Ansatz für das zukünftige Produktportfolio. Aber ebenso für das Denken in Partnerschaften, über die eigene Branche hinaus. So ermöglichen Partnerschaften und branchenübergreifendes Denken zum Beispiel die Umwandlung von Abfall in Rohstoffe.

 

Wie gelangen Organisationen Ihrer Erfahrung nach heute zu „Breakthrough Innovationen“?

Jan-Christoph Haag: Mit dem Breakthrough-Innovation–Ansatz wird nicht nur die Optimierung zukünftiger Produkte angestrebt, sondern ganz neue Lösungen für bestehende Herausforderungen geschaffen. Die eigenen Produkte und ggf. auch das Geschäftsmodell müssen also hinterfragt werden: Was lässt sich heute noch fertigen, aber morgen vielleicht nicht mehr? Wie können wir die bestehenden Fähigkeiten im Unternehmen für ein zukünftig nachhaltiges Wirtschaften nutzen? Welche Investitionen sind strategisch notwendig, welche Investitionen nicht mehr sinnvoll?

Viele Mitarbeiter und Führungskräfte im Unternehmen verfügen bereits über ein Verständnis der aktuellen Nachhaltigkeitstreiber. Sie leisten im Rahmen interner Projekte und entsprechender Rollen bereits einen aktiven Beitrag. Allerdings fällt es schwer, im eignen Umfeld radikal neu zu denken, die zukünftig relevanten Fähigkeiten des Unternehmens zu identifizieren und das Produktportfolio bis hin zum Geschäftsmodell zu überdenken.

 

Gibt es eine gute Methode, um dies zu ändern?

Jan-Christoph Haag: Für ein „neues Denken“ sind methodisch bereits kurze Workshop-Serien mit ausgewählten Teilnehmern ausreichend. Dabei werden systematisch die Einflussfaktoren im und außerhalb des Unternehmens erarbeitet und die relevanten Hebel definiert. Zusätzlich steigert dies die Begeisterung für das Thema in der Belegschaft signifikant, denn die Mitarbeiter werden bei konkreten Lösungen involviert und Erfolge werden sichtbar. Oftmals erweitert sich auch die Sichtweise – nicht nur im Sinne von abteilungs- oder werksübergreifenden Kooperationen. Sondern auch, wenn gewünscht, indem externe Perspektiven von Partnern oder Kunden einholt werden.

 

Womit sich auch die Grenzen des Unternehmens für neue Akteure öffnen…

Jan-Christoph Haag: Richtig – das ist oft aber keine nebensächliche Option, sondern eine absolute Notwendigkeit, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Hierin besteht ein weiterer Lösungsansatz: das Suchen und Gestalten von Partnerschaften außerhalb der eigenen Branche. Was bedeuten kann, seine hochspezialisierte Umgebung punktuell zu öffnen und in den aktiven Austausch inner- und außerhalb der eigenen Branche zu gehen.

 

Ein Schritt, der vielen Unternehmen besonders schwerfällt. Inwiefern kann sich das ändern?

Jan-Christoph Haag: Das Öffnen fällt schwer, weil es lange nicht zu den Grundsätzen des eigenen Handelns gehörte. Ein punktuell offenerer Umgang und etwa gemeinsame R&D-Aktivitäten für spezifische Produkte ermöglichen nicht nur eine Steigerung der Innovationskraft, sondern bringen viel Erfahrung aus unterschiedlichen Bereichen gewinnbringend zusammen.

Zudem ergibt sich oft erst beim Hinterfragen der gesamten Wertschöpfungskette, wer mögliche Partner sind. Den Status quo des derzeitigen „Optimums der Wertschöpfung“ aktiv zu hinterfragen und damit wirklich zu brechen, ist also eine ganz zentrale Voraussetzung, um hohe Zielsetzungen zu erreichen – besonders, aber nicht nur beim Thema Nachhaltigkeit.

 

Können alle Unternehmen einen ähnlichen Weg wie die Vorreiter gehen? Oder gibt es Einschränkungen?

Jan-Christoph Haag: Grundsätzlich müssen alle Unternehmen ihren Weg und Maßnahmenkatalog für die Umsetzung ihrer Ziele finden. Auf dem Event haben einige Unternehmen sehr anschaulich gezeigt, wie sie proaktiv und ganzheitlich vorgehen.

Als ROI-EFESO begleitet wir gerne Unternehmen im Rahmen eines Projekts zum „Szenario Planning“ und zum Thema „Breakthrough Innovation“. Das sehr kompakte methodische Vorgehen berücksichtigt dabei die Unternehmensspezifika und das gesamte Umfeld des Unternehmens. Somit erhalten die Unternehmen Klarheit, Orientierung und eine zügige Definition der richtigen Maßnahmen auf dem Weg zur Erreichung ihrer Nachhaltigkeitsziele. Ebenso erhalten sie eine Modellierung der wichtigsten Einflussfaktoren als Entscheidungsgrundlage für ihr unternehmerisches Handeln.

Wesentliche Resultate und Impressionen der Podiumsdiskussion sowie aus den Roundtable-Sessions des Events haben wir auf dieser Website zusammengestellt:


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Über Dr. Jan-Christoph Haag

Dr. Jan-Christoph Haag ist Partner / Vice President bei ROI-EFESO. Er begleitet technologie-getriebene Unternehmen beim Aufbau innovativer, nachhaltiger Wachstumsstrategien und Organisationen.