Management von Produktkomplexität

Die Dynamik der Marktanforderungen und rasante technologische Entwicklungen führen in wachsenden Unternehmen zu einem beständigen Anstieg der Produktkomplexität, die sich in zwei Formen äußert:

  • der Systemkomplexität aus den technischen Wechselwirkungen zwischen den Systemelementen eines Produktes und
  • der Variantenkomplexität aus der Vielzahl an unterschiedlichen Varianten eines Produktes.

Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie die Produktkomplexität souverän und erfolgreich handhaben, indem sie

  • die systematische Planung und Gestaltung intelligenter Produktarchitekturen beherrschen,
  • die Variantenvielfaltüber Baukastengestaltung, Modularisierung und Plattformen wirtschaftlich erfolgreich nutzen
  • und über Variantenmanagement das Produktportfolio ganzheitlich und fachübergreifend steuern.

Intelligente Produktarchitekturen:

Die Produktarchitektur definiert die funktionale Struktur eines Produktes und bildet damit den Dreh- und Angelpunkt zwischen Kundenanforderungen und technischer Lösung.

Erfolgreiche Unternehmen nutzen intelligente Produktarchitekturen als zentralen Stellhebel für die Gestaltung der Wertschöpfungskette: Über die Festlegung der Systemelemente und -schnittstellen sind sie in der Lage, gezielt Kooperationsoptionen mit externen Partnern (z.B. Joint Development) zu eröffnen. Damit kann die von einem Unternehmen zu beherrschende Systemkomplexität wesentlich reduziert werden.

Durch die Digitalisierung (IoT) steigt die Bedeutung der Produktarchitektur für die Wertschöpfungskette, da viele Funktionselemente aus der Hardware in die Software wandern und eine Vielzahl neuer Funktionalitäten entsteht (Erweiterungen der Geschäftsmodelle). In einer von neuen Playern und Machtverhältnissen geprägten Wertschöpfungskette kann die Produktarchitektur die Positionierung eines Unternehmens entscheidend mitbestimmen.

Baukastengestaltung, Modularisierung und Plattformen:

Der Wunsch nach kundenindividuellen Lösungen treibt die Variantenanzahl beständig nach oben. Die daraus entstehende Variantenvielfalt führt dann zu wirtschaftlichem Erfolg, wenn es gelingt, die kundenbezogene Vielfalt nach außen zu bieten aber durch produktgestalterische Maßnahmen nicht nach innen in die Wertschöpfungskette durchschlagen zu lassen:

  • Standardisierung nach innen - Individualität nach außen
  • Stabilität in der Struktur - Flexibilität in der Kombination

Ein wesentlicher Hebel für die Umsetzung dieser Leitlinien liegt in einer hohen Standardisierung in für den Kunden nicht erlebbaren Bereichen. Baukastenstrukturen, Modularisierung und Plattformkonzepte erlauben es, sowohl individuell konfigurierbare Endprodukte zu erzeugen als auch Skaleneffekte zu nutzen. Eine klare Einschätzung der erforderlichen Variantenvielfalt sowie der Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Modulen eines Produktes sind deshalb unabdingbar, um sinnvolle Baukastenelemente, Schnittstellen und Standards zu definieren.

Mit steigender Digitalisierung spielt das Zusammenspiel von Software- und Hardwareplattformen (Smart Products) eine zentrale Rolle. Hier gilt es Plattformen zu gestalten und zu steuern, die unterschiedliche Lebenszyklen aufweisen und typischerweise Überschneidungen über mehrere Produktgruppen aufweisen.

Die Entwicklung von Produkten auf der Basis von Baukästen und Plattformen stellt auch die Prozess- und Organisationsgestaltung in der Produktentwicklung vor Herausforderungen. Die Produktentstehungsprozesse sind so zu gestalten, dass das Zusammenspiel von Plattformentwicklung und der Derivatentwicklung (Produktableitungen) über den gesamten Produktlebenszyklus synchronisiert erfolgen kann. Die Abstimmung von Hardware und Software getriebenen Prozesselementen (z.B. Release Management) ist hier von besonderer Bedeutung.

In engem Zusammenhang damit steht die Verankerung der Plattformverantwortung in der Organisationsstruktur. Die Erfahrung zeigt, dass das Management des Lebenszyklus von Plattformen (z.B. Auslaufen alter und Einführen neuer Plattformen) darüber entscheidet, ob die Vorteile der Plattformbildung wirtschaftlich genutzt werden können.

Variantenmanagement:

In vielen Unternehmen ist die Variantenvielfalt in den letzten Jahren rasant angestiegen. Dadurch ergibt sich häufig ein breites, extrem komplexes Produktprogramm, das nicht flächendeckend rentabel ist. Der erste Schritt für ein erfolgreiches Variantenmanagement ist deshalb die Herstellung der Transparenz. Hier gilt es zu klären,

  • welche Varianten als Exoten die Gesamtprofitabilität im Portfolio verringern,
  • wie das optimale Produktportfolio aussieht,
  • wie sich die Teilevielfalt in Fertigung und Montage reduzieren lässt und
  • welche Profitabilitätsspielräume sich nach einer Bereinigung des Sortiments ergeben.

Eine ganzheitliche Herangehensweise fokussiert sich dabei insbesondere auf die Identifikation von Variantentreibern und verdeckt quersubventionierten Varianten, die organisatorischen Aspekte sowie auf die Analyse der durch die Variantenvielfalt induzierten Kosten. ROI verfolgt einen pragmatischen Ansatz bei der Beurteilung von komplexitätsbedingten Kosten, der auf wenigen Kostentreibern aufbaut und eine hinreichend genaue Beurteilung der Komplexitätseffekte ermöglicht.

ROI unterstützt Unternehmen in der produzierenden Industrie beim Komplexitätsmanage­ment in den Bereichen Produktarchitekturen, Baukastengestaltung und Variantenmanagement durch ein umfassendes Beratungsportfolio: 

  • systematische Produktplanung und intelligente Produktarchitekturen
    • Optimierung der Produktplanung von den Marktanforderungen bis zum Product-Roadmapping,
    • Entwicklung von System- und Produktstrategien bis hin zu technischen Umsetzungsvorgaben,
    • Vernetzung von Produkten und Prozessen durch Industrie 4.0/IoT Technologien,
    • Produktportfoliobereinigung und End-of-Life-Produktstrategien,
    • Integration des Release-Managements von Applikationen und Software,
  • Baukastengestaltung und Modularisierung
    • Entwicklung eines Baukasten- bzw. Plattformkonzepts durch Definition physischer Module, Bauteilvarianz und Schnittstellen und Verankerung in den Geschäftsabläufen,
    • Identifikation kritischer Bauteile und Prozessschritte entlang der Wertschöpfungskette,
    • Analyse der Produktvielfalt und wirtschaftliche Potenzialbewertung von Baukästen,
    • Dimensionierung von Gleichteilen und Carry-Over-Parts,
  • Variantenmanagement
    • Identifikation der Variantentreiber und Komplexitätsquellen,
    • Strategische Variantenplanung und Gestaltung von Variantenbereinigungsprogrammen,
    • variantengerechtes Entwicklungsmanagement,
    • Variantenkalkulation und -controlling,
    • Implementierung von Produktkonfiguratoren und Standardisierung von System-Schnittstellen.

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