Digitales Shopfloor Management: So finden Sie die richtige Lösung!

Digitales Shopfloor Management (DSFM) verbessert die operative Exzellenz, Produktivität, Termintreue und Qualität und sorgt für die bessere Nutzung der Kapazitäten in der Produktion. Eine zentrale Rolle spielen dabei smarte Tools, die „good practices“ konsolidieren und verteilen, eine effektive Problembehandlung ermöglichen, bei Definition und Steuerung von KPIs helfen, sowie die Initiierung von Lernprozessen unterstützen.

Eine zentrale Voraussetzung für die erfolgreiche Einführung von DSFM ist deshalb die Wahl der zu den spezifischen Unternehmensanforderungen passenden Software-Lösung. Lösungsanbieter setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte, um ein oder mehrere Aufgaben des DSFM zu unterstützen, was die Auswahl zu einer anspruchsvollen Aufgabe macht.

Die wichtigsten Aufgaben des Digitalen Shopfloor Managements

  • Können wir Problemlösungen so dokumentieren, dass wir beim nächsten Problem das Wissen nutzen können?
  • Können wir lösungsbezogene Daten so dokumentieren, dass sie auswertbar und zum KI-Training einsetzbar sind?
  • Kann ich Aufgaben direkt einem Meeting zuordnen und als Moderator mit einer automatisch erstellten Themenliste arbeiten?
  • Kann ich die Ergebnisse des Meetings direkt in der Lösung dokumentieren und später darauf zugreifen?
  • Kann ich alle relevanten KPIs für jede Hoshin-Kanri-Ebene in Echtzeit sehen?
  • Kann ich Berichte selbst erstellen, Maschinendaten einbinden und zentrale KPIs wie OEE berechnen?
  • Werden Problemlösungstechniken wie A3-Berichte und Ishikawa-Analysen digital unterstützt?
  • Können Aufgaben Personen oder Meetings zugeordnet werden und ist die Statusverfolgung durch Termine und Milestones möglich?
  • Können Ideen vom Shopfloor schnell erfasst und bewertet werden?
  • Können Ideen strukturiert und verteilt werden?
  • Ist die Verfügbarkeit der Mitarbeiter z.B. über die Kalenderintegration möglich und erlaubt eine valide Schichtplanung?
  • Ist die aufgabenbezogene Qualifikation über eine Qualifikationsmatrix abbildbar?

Top 5 Anforderungen an eine DSFM-Lösung

  1. Prozessorientierung
    Der konkrete Nutzen der Digitalisierung für den fokussierten Prozess ist entscheidend. So kann etwa eine Funktion zum Einspielen von 3D-CAD-Daten der Anlage sinnvoll sein. Sie schafft jedoch keinen Mehrwert, wenn die Pflege der CAD-Daten organisatorisch nicht klar geregelt ist und mit vertretbarem Aufwand erfolgt. Wägen Sie Kosten und Nutzen Funktion für Funktion ab!
  2. Modularer Softwareansatz
    Viele Unternehmen haben Tools wie BI-Dashboards, Sharepoint-Listen im Einsatz, die in eine DSFM-Lösung integriert werden sollen. Achten Sie darauf, ob eine die DSFM-Lösung modular implementierbar ist und bestehende Lösungen integrieren oder über API anbinden kann! 
  3. On-premise und Cloud
    Cloud-basierte Lösungen sind zunehmend Standard. Doch viele Fabriken haben nach wie vor mit WLAN-Störungen, nicht ausgeleuchteten Bereichen und Latenzzeiten zu kämpfen. Ziehen Sie einen hybriden Ansatz in Erwägung, bei dem die wichtigsten Daten lokal vorliegen, aber Werksvergleiche durch historische Daten in der Cloud ermöglicht werden!
  4. Self-Service und Customizing
    Die Anforderungen an die Strukturen und Ausgestaltung der Meetings sind dynamisch und von Werk zu Werk unterschiedlich. Die schnelle und unkomplizierte Veränderung von Inhalten ist deshalb entscheidend für Produktivität und Kosteneffizienz. Legen Sie Wert darauf, dass Customizing umfassend möglich ist!
  5. Lauffähigkeit auf mobilen Geräten
    Eine zukunftsfähige DSFM-Lösung muss auch künftig für die Desktop-Nutzung optimiert sein. Sie muss aber mobile Endgeräten und die entsprechenden Prozesse unterstützen – etwa um eine schnelle und flexible Dokumentation von Maschinenschäden und die sofortige Zuweisung von Arbeitsaufträgen zu ermöglichen. Prüfen Sie, ob eine mobile Nutzung uneingeschränkt möglich ist!

DSFM-Anbieter: Struktur des Marktes

Der Markt für DSFM-Lösungen ist unübersichtlich. Spezialisten, die einzelne Elemente abdecken, MES-Experten, die DSFM-Funktionalitäten als Add-on anbieten, Full DSFM Provider, oder Plattformbetreiber, die Tools zur Entwicklung eigener Lösungen bereitstellen, stehen miteinander im Wettbewerb. Einige profilierte Player zeigt die folgende Übersicht.

Die Auswahl der passenden Lösung ist vor diesem Hintergrund keine ausschließlich Frage der Technologie und Funktionalität, sondern erfordert eine ganzheitliche, unternehmensspezifische Betrachtung. Folgende Aspekte sind dabei besonders zu berücksichtigen.

Vier Empfehlungen zur Auswahl einer DSFM-Lösung

  1. Review des gelebten SFM: Die gelebten SFM-Routinen auf den Prüfstand zu stellen und zu verbessern ist der erste Schritt zur Definition und Gewichtung der Anforderungen. Dabei hat sich der agile Ansatz bewährt, bei dem die Endanwender ihre Bedarfe direkt über User Stories kommunizieren
  2. Nutzenorientierte Funktionsauswahl: Kaum eine Funktion für das SFM ist technisch nicht lösbar. Doch welche Funktionen und Bausteine bieten wirklich einen Mehrwert? Ob die Live-Visualisierung von Kennzahlen oder das Wissensmanagement beim Umgang mit Abweichungen besonders wertvoll ist, muss unternehmensspezifisch entschieden werden.
  3. IT-Landschaft: Soll die Implementierung gelingen, muss die DSFM-Lösung in die IT-Strategie und -Architektur passen. Dabei ist auch zu definieren, welche heute vorhandenen Anwendungen erhalten oder ersetzt werden sollen und welcher Umfang an Möglichkeiten zur Eigenentwicklung aktuell und perspektivisch sinnvoll ist. Eine enge Einbindung der IT-Abteilung ist erfolgskritisch.
  4. Veränderte Kompetenzanforderungen berücksichtigen: Auch intuitive DSFM-Lösungen erfordern von den Mitarbeitern eine Umstellung gewohnter Arbeitsweisen. Deshalb empfiehlt es sich, in Bereichen mit höherer IT-Affinität zu starten und frühzeitig auf erkannte Schulungsbedarfe zu reagieren. Ein nachhaltiger Erfolg von DSFM ist auf breite Akzeptanz angewiesen.