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Kapitel 4

Hedemora, Garpenberg, Schweden

Die neuen Minen von Moria

Von Amsterdam/Schiphol nach Stockholm/Arlanda in zwei Stunden geflogen, Geld gewechselt, Wagen gemietet und schon sind wir wieder unterwegs. Die nächste Station unserer Reise ist der Steinbruch Garpenberg, in der Nähe des Städtchens Hedemora, gut zweieinhalb Stunden Autofahrt nördlich von Stockholm gelegen. Seit fast achthundert Jahren werden hier Minen betrieben. Doch wir sind nicht nach Garpenberg gekommen, um die Geschichte des Schürfwesens zu entdecken – sondern eine der modernsten Minen der Welt.

Jahrhundertelang wurden in Garpenberg Eisenerze abgebaut, heute sind es vor allem Zink, Blei und Silber. Das Fördervolumen erreicht fast 2,4 Mio. Tonnen pro Jahr. Dabei kommen auch sogenannte Flotationszellen zum Einsatz, in denen durch ein physikalisch-chemisches Verfahren Mineralien von Steinabfällen getrennt werden. Die Maschinen sind für die Erzgewinnung äußerst wichtig – weshalb ein Ausfall unbedingt verhindert werden muss. In Garpenberg sind Dutzende Flotationszellen im Einsatz, in einem so weitläufigen und teilweise so schwer zugänglichen Gelände, dass man sich unwillkürlich an Tolkiens Minen von Moria erinnert fühlt. Die Minenbetreiber setzen nun auf eine Überwachung durch Beschleunigungssensoren, die Schwingungen und Stoßimpulse messen und die Daten an einen Server übertragen, der wiederum die Steuerungszentrale mit aggregierten und analysierten Informationen versorgt. Dadurch kann eine Vielzahl potenzieller Probleme frühzeitig erkannt und behoben werden. Die Sensortechnik überwacht heute nicht mehr nur die Flotationszellen, sondern auch andere komplexe Maschinen, etwa Erzmühlen.

Doch diese komplexen Lösungen sind nur ein Ausdruck der Gesamtstrategie, die der Minenbetreiber Boliden entwickelt hat – eines Digitalisierungsansatzes, der einen Kilometer tief unter die Erde reicht. Steuerung der Energieversorgung, Predictive Maintenance, Automation von Prozessen und die Integration der Daten in einer von ABB entwickelten Plattform schaffen die Grundlage dafür, dass die Mine heute zu den weltweit effizientesten gehört.

Förder- und Belüftungssysteme, Transportbänder und Fahrzeuge, Wartungsprozesse und Umweltdatenfeeds, Notfall-Alert-Systeme, Tablets der Minenarbeiter und die Raupen der Fahrzeuge sind zu Elementen in einem gigantischen Netzwerk geworden, das sich dezentral organisieren und optimieren lässt. Die riesigen Datenmengen, die von den Sensoren innerhalb des Minengeländes generiert werden, bilden die Basis für komplexe Analytik, die eine kontinuierliche Verbesserung der Prozesse und eine effiziente Allokation von Ressourcen und Assets erlaubt.


Die Mine von Garpenberg ist heute genauso ein Wunderwerk, wie die Minen von Moria. Doch nicht die fantastische Ingenieurskunst von Zwergen lässt einen hier staunen, sondern die digitale Intelligenz, die Steinbrüche und Förderanlagen wie eine zusätzliche Dimension durchzieht. In Hedemora haben wir einen weiteren Beleg dafür gefunden, dass der Mehrwert von Smart Products durch Schneeballeffekte exponentiell beschleunigt werden kann. Der Nutzen jedes einzelnen Elements des Smart Networks wird unmittelbar höher, wenn weitere Elemente in das Netzwerk eingegliedert werden. Smart Products sind physisch-digitale Hybride. Doch die Smart Products Economy folgt nicht der Skalenlogik der klassischen Industrie, sondern der Netzwerklogik des Webs.


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Anna Reitinger

Anna Reitinger

Head of Marketing, ROI-EFESO
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