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Kapitel 5

San Mateo, Ca

Is it the end of the industry we know it?

Der Flughafen von San Francisco empfängt uns in strahlendem Sonnenschein. Diesmal entscheiden wir uns gegen einen Mietwagen und für einen Uber-Fahrer, der uns in das gerade mal eine halbe Stunde Autofahrt entfernte San Mateo bringt. San Mateo ist einer der Hot Spots für Start-ups im Silicon Valley, doch unser Ziel sind weder die aufstrebenden High Tech-Schmieden noch eine der unzähligen Risikokapitalgesellschaften, die in der Stadt eine Dependance haben. Stattdessen steigen wir am Saratoga Drive aus, wo im San Mateo Event Center die jährliche „Maker Faire“ stattfindet.

Obwohl sich die Wurzeln der heutigen Maker-Bewegung bis in die frühen neunziger Jahre zurückverfolgen lassen, ist das Phänomen erst in den vergangenen zehn Jahren der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. Die Makers sind einerseits ein Erbe der Do-it-yourself-Kultur. Andererseits sind sie stark von der Autarkiebewegung geprägt, die aus einer kritischen Haltung gegenüber dem Massenkonsum und der zunehmenden Oligopolbildung in den westlichen Staaten entstanden ist.

Um zu verstehen, welche Bedeutung die Maker-Bewegung heute und vor allem zukünftig hat, ist dies genau der richtige Ort. Zwar gibt es inzwischen auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern Maker-Spaces und Maker-Messen. Doch haben sie mit der Veranstaltung in San Mateo ungefähr so viel gemeinsam, wie eine Boeing mit einer Cessna.

In den USA hat sich inzwischen die Überzeugung durchgesetzt, dass Makers, Open Innovation und Smart Products eine Revolution auslösen können – oder sie bereits ausgelöst haben. Wie ernst das genommen wird, zeigt die Liste der Sponsoren auf der Maker Faire – von Google und Microsoft über Ford bis hin zur NASA – hier ist das „Who's who“ der amerikanischen Wirtschaft vertreten.

In ihrer überbordenden Kreativität, der Vielzahl an schrägen, verrückten und genialen Ideen (die man auch auf Maker-Portalen wie Etsy.com beobachten kann) haben die Makers sehr viel mit den klassischen Feierabendbastlern gemeinsam. Doch sie unterscheiden sich von ihnen in einem wesentlichen Punkt. Heute verfügbare Desktop-Technologien wie 3D-Druck, CNC-Fräsen oder CAD-Software und die Möglichkeit, das Internet dafür zu nutzen, um Ideen global zu aggregieren, Produkte zu entwickeln, in sehr hoher Qualität zu produzieren und weltweit zu distribuieren, stellen die Gewissheiten der etablierten Wirtschaftsordnung in Frage. Neue, webbasierte Organisations- und Koordinationsformen erlauben die Skalen- und Größenvorteile als Markteintrittsbarrieren zu umgehen und so die „Garagen-Start-ups“ der digitalen Ökonomie auch in die klassische Industrie zu transferieren. Dass ein solcher Ansatz selbst in der Automobil- und Anlagenproduktion möglich ist, zeigen Unternehmen wie Local Motors oder 3D Robotics.

Die Frage, ob die Maker-Bewegung in der Lage ist, die etablierten Strukturen tatsächlich zu erschüttern oder nur einzelne Branchen substituieren wird, ist dabei völlig zweitrangig.

Entscheidend ist, dass die Smart Products Economy in dramatisch schnelleren Zyklen laufen wird als die traditionelle Ökonomie, dass sie offen und branchenübergreifend sein wird und dass sich in ihr auch verrückte Ideen realisieren und erfolgreich monetarisieren lassen. Diese Geschwindigkeit und Vielfalt kann kein Unternehmen im Alleingang bewältigen. „Ich werde nie wieder für eine andere Organisation arbeiten, für die so viele kluge Menschen arbeiten, wie für die Bundesregierung der Vereinigten Staaten; denken Sie nur an DARPA. Aber ich garantiere Ihnen, dass selbst die US-Regierung bei einem Vergleich gegen den Planeten Erde verliert“, sagt dazu Todd Park, früherer CTO und heutiger Berater des Weißen Hauses.

Die Kreativität und Originalität, die unkonventionellen Lösungen und die Passion, die überall auf der Maker Faire spürbar sind, sollten Anlass sein, Schutzzäune an den eigenen Unternehmensgrenzen zu hinterfragen. Smart Products können nur in Netzwerken ihre volle Wirkung entfalten und schnell genug weiterentwickelt werden. Der Schlüssel dazu sind globale Communities und die Bereitschaft, ihre Mitglieder weit stärker an der eigenen Technologie und den eigenen Assets teilhaben zu lassen als das heute der Fall ist. Visionäre und mutige Unternehmen wissen, dass sie in Zukunft die Makers brauchen werden.

Wir verlassen San Mateo in Gedanken daran, dass übertriebene Selbstgewissheit, Angst und Scheuklappen noch nie besonders gute Ratgeber für den Wandel waren.


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Anna Reitinger

Anna Reitinger

Head of Marketing, ROI-EFESO
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