Im Interview mit EFESO erläutert Olaf Korzinovski, Executive Vice President Production & Components bei Volkswagen (China) Investment Co., Ltd., worauf Unternehmen bei Digitalisierung, Automatisierung und dem Einsatz von AI in der Produktion besonders achten sollten. Im Fokus stehen eine klare Unternehmensstrategie, die Vernetzung von Maschinen, Prozessen und Daten sowie die Skalierung einzelner AI-Anwendungen hin zu ganzheitlichen, zunehmend autonomen Produktionssystemen.
Worauf sollten sich Unternehmen in Ihrer Branche bei der Digitalisierung und Automatisierung konzentrieren? Gibt es z.B. besondere strategische oder operative Potenziale, die Ihrer Ansicht nach stärker zu adressieren sind?
Olaf Korzinovski: Der Ausgangspunkt ist immer eine klare Unternehmensstrategie, in der Digitalisierung und Automatisierung ein fester Bestandteil sind – mit allen daraus resultierenden Konsequenzen für Organisation, Prozesse und Kompetenzen.
Entscheidend ist, Digitalisierung konsequent vom Wertstrom her zu denken. Der größte Hebel liegt darin, Maschinen, Prozesse und Daten durchgängig zu vernetzen und Entscheidungen zunehmend datenbasiert und automatisiert zu treffen. Das Zielbild mit dem größten Potenzial ist ein autonomes Produktionssystem, in dem Planung, Steuerung und Optimierung weitgehend digital unterstützt oder automatisiert erfolgen.
Ein Großteil der Bewerber des INDUSTRIE 4.0 AWARD verbessert Wertschöpfungsprozesse gezielt mit AI, jedoch mit deutlichen Unterschieden bei der Schwerpunktsetzung und der Ergebnisorientierung. Wie ordnen Sie den aktuellen „AI-Impact“ in produzierenden Unternehmen ein? Wo sehen Sie z.B. noch ungenutzte Handlungsfelder?
Olaf Korzinovski: Klar ist: Künstliche Intelligenz hat die Produktion erreicht – aber wir sehen derzeit eher die ersten Blitzlichter. Heute optimiert AI häufig einzelne Prozessschritte, insbesondere dort, wo hochwertige („high-fidelity“) Daten verfügbar sind – zum Beispiel in der Qualitätssicherung, Logistik oder Instandhaltung. Das eigentliche Potenzial liegt jedoch in der Skalierung dieser Einzellösungen und in der schrittweisen Vernetzung dieser „Inseln“ zu einem ganzheitlichen Produktionssystem.
„Der größte Hebel liegt darin, Maschinen, Prozesse und Daten durchgängig zu vernetzen und Entscheidungen zunehmend datenbasiert und automatisiert zu treffen.“
Sehen Sie neben AI einen weiteren Trend – technologisch, oder aus den Rahmenbedingungen industrieller Transformation hervorgehend – der die Bedeutung von Industrie 4.0 wesentlich beeinflussen wird?
Olaf Korzinovski: Der Begriff Industrie 4.0 wird sich weiterentwickeln. Digitalisierung und Automatisierung halten heute deutlich schneller Einzug in die Produktion – nicht zuletzt, weil die Kosten für Automatisierung stark gesunken sind. Gleichzeitig wird ein anderer Faktor immer wichtiger: Der Transfer von Produktions-Know-how unserer Mitarbeiter in digitale Systeme. Viele industrielle Prozesse beruhen noch immer auf Erfahrungswissen. Dieses Wissen systematisch zu identifizieren, zu strukturieren und in digitale Systeme zu überführen, wird eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre sein.
Deshalb sollten wir beim Thema Industrie 4.0 – das ja vom Namen her sehr technisch geprägt ist – viel stärker die kulturellen und organisatorischen Aspekte mitdenken. Technologie ist wichtig, keine Frage. In einem globalen Wettbewerb führt kein Weg an KI vorbei. Aber genauso entscheidend ist, wie wir arbeiten: wie schnell wir entscheiden, wie flexibel wir sind, wie wir Zusammenarbeit gestalten.
Bei den Award-Gewinnern ist das Thema „ROI von Industrie 4.0 Use Cases / Initiativen“ sehr präsent. Was kennzeichnet Ihrer Erfahrung nach eine gelungene Priorisierung von Investitionen im Spannungsfeld von kurzfristiger Effizienzsteigerung und langfristiger Innovationsfähigkeit?
Olaf Korzinovski: Eine erfolgreiche Priorisierung verbindet kurzfristig messbare Effekte mit langfristigem strategischem Aufbau von Fähigkeiten. Unternehmen sollten Use Cases bevorzugen, die schnell Wert schaffen, gleichzeitig aber skalierbare Daten- und Softwareplattformen aufbauen. Entscheidend ist nicht der einzelne Pilot, sondern die Fähigkeit, Lösungen systematisch entlang eines klaren Strategiepfades zu skalieren.
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